Digitale Selbstdiagnosen

Shownotes

Psychische Gesundheit ist in den sozialen Medien allgegenwärtig. Das trägt zur Aufklärung bei und baut Tabus ab, führt aber auch zu Fehlinformationen und vorschnellen Selbstdiagnosen. Diese Episode der HörRäume bündelt drei Perspektiven: eine journalistische Annäherung an Mental-Health-Trends im Netz, Einblicke aus der schulischen Beratungspraxis und eine fachliche Einordnung aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Im Zentrum steht die Frage, wie Orientierung im Netz gelingen kann, ohne dass aus normalen Krisen Krankheitsbilder werden, und welche Verantwortung Plattformen, Fachwelt und Gesellschaft dabei tragen.

Die Impulse waren Teil der Veranstaltung "Via medici: Digitale Diagnosen", die im Juni 2026 in Kooperation mit der Bezirksärztekammer Nordwürttemberg im Hospitalhof (Stuttgart) stattgefunden hat.

Einführung: Akademiedirektor Dr. Dietmar Merz.

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00:00:00: Und da machen wir uns das, glaube ich häufig in der Persönlichkeitsbildung zu einfach.

00:00:04: Kinder haben Anspruch darauf im direkten sozialen Kontakt sich auch reiben zu können an Erwachsenen und auch dort den Spiegel zu haben – eben nicht den digitalen Spiegel sondern den Spiegeln in der persönlichen Beziehung.

00:00:30: die bei uns an der Akademie stattgefunden

00:00:32: haben.

00:00:33: Herzlich willkommen, liebe Hörerinnen!

00:00:35: Liebe Hörern.

00:00:36: zu einer weiteren Episode aus der Reihe Via Medici Grundfragen der Medizin heute zum Thema digitale Diagnosen psychische Gesundheit als Social Media Trend.

00:00:47: Mein Name ist Dietmar Mertzich bin Studienleiter für Medizinetik und Direktor der Evangelischen Akademie Badboll.

00:00:54: Allzu gern nehmen wir unsere Smartphones zur Hand um zu recherchieren.

00:01:00: Man immer uns eine Sache interessiert und wir uns informieren wollen, haben soziale Medien eine große Bedeutung.

00:01:06: Besonders spannend ist dies in Gesundheitsfragen.

00:01:10: Denn was wir dort aus den sozialen Medien und übers Internet erfahren kann es zum einen helfen Erkrankungen zu verstehen und sensibel dafür sein.

00:01:19: Andererseits können sie auch die Schwelle senken dass wir anhand einer fälschlichen Selbstdiagnose meinen genau diese Krankheit zu haben.

00:01:31: Forscherin Alexandra Philipsen der Uniklinik Bonn, die sich mit sozialen Medien und Gesundheitsfragen als Social Media drin befasst hat meint.

00:01:41: Es wäre unbedingt gut dass die Aufklärungen in sozialen Medien zusammen mit Fachleuten entworfen werden und dass sie zusammen Formate entwickeln aus Wissenschafts- und Medienbetreibern.

00:01:55: Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch eine neue Studie der University of East England in Norwich, Ingl.

00:02:02: Forscherinnen haben untersucht die Genauigkeit von Informationen eben gerade zu Psychengesundheit und Neurodivergenzen auf Plattformen wie Dualtube, TikTok, Facebook und anderen und haben dabei im Durchschnitt Fehlinformationen von etwa fifty-seitig Prozent entdeckt.

00:02:19: Diese Hinweise zeigen die Problematik des Trends von digitalen Selbstdiagnosen zu Gesundheitsfragen.

00:02:27: Im Folgenden hören Sie Beiträge von Franziska Hochwald, wenn Informationen krank machen einen Überblick über die Problemstellung, eine medizingeschichtliche Einordnung durch Professorin Dr.

00:02:39: Karin Noelte, ein Kurzbericht aus der Lebenswelt von Schülerinnen und Schülern durch Dagmar Preis und letztendlich eine Einordnung.

00:02:55: Viel Freude beim Hören wünscht Ihnen Dietmar Merz.

00:03:01: Ich darf Sie heute in unser Thema digitale Diagnosen einführen, ich bin ja von Haus raus eigentlich Kulturwissenschaftlerin und arbeite als Autorin für die Radiosendestrecke SWR das Wissen vor allem zu den Themen Psyche und Bildung.

00:03:16: Und in meinen Interview mit jungen Menschen mit psychischen Themen ist mir immer wieder aufgefallen dass die sozialen Medien eine wirklich große Rolle gespielt haben.

00:03:25: Die jungen Leute verwenden sie, um ihre Themen zu verarbeiten.

00:03:29: Es ist aber auch immer wieder die Rede davon gewesen, dass diese Medienprobleme intensivieren.

00:03:35: Besonders auffällig für mich war das beim Thema selbstverletzendes Verhalten.

00:03:39: Da haben ja Interviewpartnerinnen berichtet, dass es zum Teil fast schon eine sportliche Herausforderung war wie tief und wie oft Sie sich ritzten im Vergleich zu den Influencerinnen, die Sie online gesehen haben.

00:03:52: Deswegen habe ich recherchiert, wie soziale Medien das Krankheitsverständnis von jungen Menschen beeinflussen.

00:03:58: Selbst Diagnose und Cyberkontrie – wenn Informationen krank machen – hieß meine Radiosendung dazu.

00:04:06: Auch wenn ich also eigentlich Sozialwissenschaftlerin bin, mein Zugang ist heute ein eher journalistischer.

00:04:12: Ich möchte Sie ein bisschen mitnehmen in die Welt der sozialen Medien.

00:04:16: Einige Phänomene zeigen und ein paar Fragen stellen!

00:04:20: Kennen Sie TikTok und wissen sie, wie es funktioniert?

00:04:23: Diese Plattform ermöglicht ihren Users selbst zu den Stars zu werden die sie bewundern.

00:04:29: Aus einer langen Liste kann man sich Songs aussuchen.

00:04:33: dann nimmt man zu diesen Songs sein Gesicht auf mit den passenden Lippenbewegungen oder dem Tanz der dazu gehört oder den man sich ausgedacht hat.

00:04:42: Und natürlich liegt es nahe, solche Songs zu performen die der eigenen Befindlichkeit entsprechen.

00:04:48: So das ist so die eigentliche Idee von TikTok und ich nehme an viele haben sich das gar nicht klar gemacht dass das die eigentlicher Idee von der App ist wie sie grundsätzlich funktioniert.

00:04:59: aber inzwischen hat die Plattform viele andere Nutzungsmöglichkeiten gefunden und damit geht es auch schon los mit unserem Thema digitale Diagnosen.

00:05:09: Die Tourette-Spezialistin Kirsten Müller-Fahl leitet an der Hannovarana Uniklinik eine Tourettambulanz.

00:05:16: Sie beobachtete schon vor, dass immer mehr Jugendliche zu ihr in die Sprechstunde kamen mit sehr außergewöhnlichen Symptomen.

00:05:25: Man glaubt ja beim Tourettsyndrom das die Leute unvermittelt Schimpfwörter rufen.

00:05:31: Doch so Müller Fahl ist gar nicht so!

00:05:33: Und doch plötzlich kamen diese Jugendlichen, die zwanghaft Schimpferter riefen.

00:05:38: Eine seltsame grugelnde Stimme präsentierten und dabei wirklich litten.

00:05:42: Schnell stellte sich heraus Ausnahmslos alle hatten Videos aus dem Kanal Gewitter im Kopf angeschaut.

00:05:50: Laut Müller Pfahl ist es der erste dokumentierte Fall von sozialer Ansteckungen im Internet.

00:05:55: Durch das Internet entsteht also ein neues Phänomen im Umgang mit psychischen Erkrankungen.

00:06:01: Menschen definieren sich stark über ihre psychischen Störungen und bilden Interessengruppen, in denen sie um Anerkennung für ihre Erkrankung kämpfen.

00:06:09: Eine solche neuen Bewusstsein gekommene Erkrankung ist die Misophonie.

00:06:15: Misophonie bedeutet dass man mit tiefem Abscheuer auf bestimmte Geräusche reagiert.

00:06:21: Die Frage ist wurde dieses Krankheitsbild durch die Sozialmedien erst sichtbar?

00:06:27: Oder wurde es durch die sozialen Medien überhaupt erst erschaffen?

00:06:32: Videos in denen Menschen ihre psychischen Erkrankungen thematisieren, gibt es mittlerweile wirklich viele in den sozialen Medien.

00:06:39: Themen sind vor allem Magersucht, Autismus, ADHS und Depressionen In den USA auch vielfach dissociative Identitätsstörung Eine Erkankung, die interessanterweise hierzulande viel seltener zu sein scheint.

00:06:54: Also man kann fragen, wer macht solche Videos?

00:06:56: Wer sind diese Menschen die zu influenzeln werden auf TikTok.

00:07:02: Ich denke wenn man sich das durchschaut, kann man sehr schnell drei Typen unterscheiden.

00:07:07: Das erste ist der Experte oder besser gesagt der angebliche Experte.

00:07:12: denn es gibt zwar inzwischen viele die tatsächlich ausgebildete Ärzte und Psychologen sind Und auch die öffentlich-rechtlichen Medien machen inzwischen einiges auf TikTok Aber es gibt auch viele, die sich Psychologen und Mediziner nennen.

00:07:28: Doch keiner weiß, ob's wirklich stimmt!

00:07:30: Und häufig sind ihre Informationen und Tipps mehr als fragwürdig – wir haben vorhin gehört, das ist ein Statistisch falsch.

00:07:39: Das ist der erste, man kann ja deutlich sehen, dass er eine Experte ist weil er hat einen Stethoskop um den Hals und deswegen muss er ja auch wissen, wovon er spricht.

00:07:49: So, die zweite ist eine betroffene Jugendliche.

00:07:52: Die ist so ein Fall von den Jugendlichen, die tatsächlich keine große Show machen sondern die versuchen ihre Lebensalltag in kurzen TikTok-Videos zu zeigen.

00:08:06: Das Anliegen hat eben ihre Situation zu teilen Aber der Übergang zwischen Mitteilungsbedürfnis und Selbstdarstellung ist fließend.

00:08:15: Bei der Mehrzahl der Videos gewinnt man den Eindruck, dass die Selbstdarstellung das Hauptanliegen ist und vielleicht auch nur angebliche psychische Störungen nur das Vehikel um Klicks zu kommen.

00:08:27: Und da sind für mich die Psycho-Models – und da habe ich exemplarisch einen Frame raus fotografiert aus einem dieser Videos.

00:08:34: Die junge Frau hat Depressionen sehr annurührend ihr Video anzuschauen.

00:08:44: Aber interessanterweise machen die gar kein Held drauf, dass schön sein das Wichtigste dabei ist weil häufig drehen sie ihre Videos während Sie sich schminken.

00:08:55: also wirklich der Fokus darauf.

00:08:56: eigentlich geht es nur darum, dass Ihr seht wie schön ich bin und wie schön Ich mich mache kann.

00:09:02: Und Es gibt auch Jungs in der Szene aber deutlich weniger.

00:09:08: Und ich habe mal drei und das sind keine extremen Beispiele, die ich da gesucht hab.

00:09:14: Sondern das sind die normale Beispiele von der Art von Jungs, die wir auf TikTok finden.

00:09:20: Der erste spricht über seine Depressionen.

00:09:23: Und der zweite in der Mitte über Traumata, dissoziative Identitätsstörungen und sexuellem Missbrauch in seiner Kindheit.

00:09:31: Und er erzählt dann ebenso wie er mit seinen ganzen Anteilen diskutiert, ob sie sich jetzt dieses Tattoo ins Gesicht stechen lassen und wenn ja wann und wie.

00:09:40: Und der Dritte über seine Erfahrungen als Transperson.

00:09:44: Sicher ist aber solche Videos man kann ja immer drunter sehen wie viele Klicks die kriegen und zum Teil sind es hunderttausende oder Millionen von Klicks Sie treffen auf Zuspruch.

00:09:55: Begonnen hat dieses Phänomen lang vor Corona, doch in der Zeit der Lockdowns explodierte es nachgerade.

00:10:02: Auch wenn jetzt der Fokus der Öffentlichkeit darauf nicht mehr so stark ist das Phänoment bleibt und es hat Wirkung.

00:10:09: Welche Wirkung es hat oder haben kann darüber möchte ich jetzt ein bisschen sprechen.

00:10:15: Sie sind wahrscheinlich alle gekommen, um mehr über das Problem mit den sozialen Medien zu verstehen.

00:10:20: Doch die selbsternannten Onlinepsychologen haben auch positive Aspekte – zumindest ein Stück weit!

00:10:27: Zuallererst ist es ja lange Zeit so gewesen, dass psychische Erkrankungen ein Tabuthema waren.

00:10:33: Vor allem in der Arbeitswelt ist das wohl in weiten Teilen immer noch so.

00:10:37: Niemand möchte gerne zugeben, dass er psychische Probleme hat und das mit gutem Grund denn für Arbeitgeber könnte das durchaus einen Unterschied machen zum Beispiel eine Beförderung behindern oder verhindern.

00:10:50: Die Videos helfen den Betroffenen auch Worte zu finden für ihre Thematik.

00:10:55: So zeigen etwa Studien zur Autistin, dass sie von den sozialen Medien profitieren weil sie dort nicht die Hürde der direkten sozialen Kontakte überwinden müssen.

00:11:08: Social Media Plattformen geben den Betroffene bislang ungeahnte Ausdrucksmöglichkeiten Und zum Teil sind sie auch humorvoll, beschäftigen sich mit den kleinen Alltagsproblemen in denen andere sich wiederfinden können.

00:11:23: Diese Videos ersetzen den Austausch, den man im echten Leben darüber zumeist nicht hat.

00:11:29: Sie geben das Gefühl dass jemand versteht wie es einem geht.

00:11:33: Sie schaffen eine virtuelle Pseudo-Gemeinschaft.

00:11:37: Für die Influencer selbst ist es eine Möglichkeit des Selbstausdrucks.

00:11:41: Sie wenden ihr Stigma in eine Superkraft, mit der sie Anerkennung und Erfolg haben.

00:11:46: Sie finden auf TikTok eine Plattform, auf der sie viel Bestätigung für ihr Soßein finden.

00:11:54: Und tatsächlich können soziale Medien ein Stück weit auch helfen sich dort über psychische Erkrankungen zu informieren.

00:12:01: Zwar sind sie keine Quelle, auf die man sich verlassen kann doch... Man muss sich klar machen!

00:12:06: Soweit ich recherchieren konnte, bekommt ein Hausarzt für die Beratung bei einem Erstbesuch keinen Cent extra.

00:12:13: Diese Beratungen sind der Pauschale in Begriffen.

00:12:16: Wenn er beim zweiten Besuch des Patienten abrechnen kann, dann ist eine Beratkung bei zehn bis dreißig Euro.

00:12:23: Eine Praxis muss aber nach meinen Recherchen an die drei Hundert Euro pro Stunde erwirtschaften um alle Kosten zu decken.

00:12:31: Es wird also nur selten Hausärzte geben, die sich ehrenamtlich Zeit nehmen um die Sorgen ihrer jungen Patienten vollumfänglich anzuhören.

00:12:41: Ein weiterer Punkt, an dem die sozialen Medien eine Entlastungsfunktion haben ist das Thema soziale Beziehungen.

00:12:49: Man sieht an dieser Statistik viele Freizeitaktivitäten außerhalb des Netzes haben stark abgenommen in den letzten Jahren Seien es Vereinsaktivität oder Unternehmung mit der Familie oder Zeit mit den Nachbarn.

00:13:03: Auch aus anderen Gründen kann hier die Familie häufig nicht gut unterstützen.

00:13:08: Zu groß ist bei vielen Eltern die eigene Unsicherheit, die Angst das Kind könne versagen oder sagen wir es ehrlich – die Sprachlosigkeit zwischen Kindern und Eltern, die im Jugendalter häufig zu beobachten ist.

00:13:22: Vielfach gibt es also im direkten sozialen Umfeld niemandem mit dem man sprechen könnte!

00:13:28: So ist es leicht nachvollziehbar, dass sich viele junge Menschen mit ihren Selbstzweifeln erst einmal an Dr.

00:13:34: TikTok wenden und dort Entlastung suchen und zum Teil auch finden.

00:13:40: So viel zu den positiven Aspekten der sozialen Medien – Sie haben es sicher schon gedacht?

00:13:45: Die Negativliste ist länger!

00:13:47: Besonders in der Kritik stehen für viele Experten sogenannte Selbstdiagnose-Videos.

00:13:53: Juse sprechen über die psychischen Erkrankungen oder Störungen oft ohne jemals eine Diagnose erhalten zu haben, ob Tourette, ADHS und Autismus.

00:14:03: die Selbstzuschreibung genügt.

00:14:05: Oft auch um anderen Menschen mit ähnlichen Symptomen eine solche Krankheit

00:14:10: nahezulegen.".

00:14:11: So, am Anfang hatte ich ihn ja schon Gewitter im Kopf vorgestellt.

00:14:15: Das Risiko der sozialen Ansteckung oder Verstärkung besteht eigentlich bei allen psychischen Themen.

00:14:21: Bei selbstverletzenden Verhalten beispielsweise oder beim Magersucht ist TikTok eine beliebte Plattform geworden um sich selbst zu präsentieren.

00:14:30: Junge Frauen prostulieren ihre Schönheit und ihren abgemagerten schönen Körper in Anführungszeichen und zeigen sich in Modelposen.

00:14:38: Die falsche Selbstwahrnehmung von Magersüchtigen wird hier idealisiert, dies kann Mädchen mit Essstörungen immer tiefer in ihre Erkrankung treiben.

00:14:47: und auch bei anderen Themen kann das Internet stark dazu beitragen dass aus Traurik sein Depressionen wird Aus Konzentrationsproblemen ADHS Und als Schüchternheit Autismus.

00:14:58: TikTok hat auf die Kritik reagiert, die Plattform spielt bei sensiblen Begriffen wie zum Beispiel Suizid oder selbst Verletzten inzwischen solche Texte ein.

00:15:09: Video ist dazu findet man aber immer noch wenn man die Suchbegriffe etwas abschwächt z.B.

00:15:14: Schlank statt Magersucht eintippt.

00:15:17: Denn das Geschäftsmodell von TikTok ist es nun einmal Daten zu sammeln und die User so lange wie möglich auf der Plattform zu halten.

00:15:24: Es gibt Algorithmen, die dafür sorgen dass man immer mehr von dem Angeboten bekommt was man schon gesucht hat.

00:15:30: Wenn man nach Tanzvideos oder Skateboardern sucht macht das Spaß!

00:15:35: Wenn es um depressive Themen geht besteht dann irgendwann auch die TikTok-Welt nur noch aus verzweifelten und resignierten?

00:15:43: Auch das kann zu einer Verstärkung der Erkrankungen führen.

00:15:47: Ein weiterer Punkt der aus meiner Sicht sehr kritisch zu sehen ist negative Gefühle gehören zum Erwachsen werden.

00:15:55: Auch die Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper und auch dem eigenen Geschlecht sind natürliche Phasen im Jugendalter, über die sozialen Medien werden diese Gefühlen nun pathologisiert.

00:16:05: Was früher Liebeskummer war heißt jetzt Depression.

00:16:09: was früher ich kann mich zurzeit überhaupt nicht konzentrieren war heißt Jetzt ADHS.

00:16:15: Natürlich gibt es viele Menschen die tatsächlich eine Diagnose haben und denen das scheinbar hilft.

00:16:21: Ihnen würde es aber möglicherweise besser helfen darüber zu sprechen und sich professionelle Hilfe zu suchen.

00:16:27: Häufig kommen die Jugendlichen Erstensbehandlungen, wenn sie die psychische Störung schon stark verfestigt hat.

00:16:33: Über TikTok werden psychische Erkrankungen idealisiert.

00:16:37: Es entsteht eine richtiggehende Ästhetisierung des traurigen Mädchens.

00:16:42: Es gibt zum Beispiel das Set Girl Phänomen.

00:16:46: Mädchen zeigen online wie man sich so schminken kann dass man traurig aussieht.

00:16:50: Und es gibt zum Teil auch Videos von Jungs, die genau diese Videos nachmachen.

00:16:56: So die erste hier steigt ein in ihr Video mit diesem Schlussbild und dann ist das wirklich zwei drei Minuten Video wo sie im Detail zeigt, wo sie auch bei Disney Figuren usw.

00:17:07: die Ästhetik abguckt und wie sie sich genau schminken muss, damit es am Ende dieses Set Girl Gesicht gibt.

00:17:15: Vielfach wird hier die psychische Krankheit einfach als Selbstinszenierung zelebriert.

00:17:21: Und das Zweite ist aber schon wenn man dann auch berühmt ist online dass man sich eher über seine Krankheit definiert anstatt nach Stärken und Lösungen zu suchen.

00:17:32: Das Leben von Jugendlichen stellt sie vor viel mehr Herausforderungen als den meisten Erwachsenen klar ist.

00:17:38: Der Leistungsdruck in der Schule ist immens, die Sinnhaftigkeit dessen was man zu tun hat ist oft für die Jugendlichen nicht wirklich nachvollziehbar.

00:17:47: Die intensive Handynutzung führt per se bereits zu einem starken Absinken der Aufmerksamkeitsspanne und hat vielfach Suchtcharakter.

00:17:56: Da bieten die Plattformen der Psychosen einen willkommen Ausweg von aus diesen Anforderungen.

00:18:03: Jetzt freue ich mich auf die weiteren Vorträge der Expertinnen und Experten zu diesem Thema, das war's!

00:18:10: Vielen Dank!

00:18:17: Jetzt gibt es einen etwas harten Bruch weil ich als zweite Rednerin heute mit Ihnen jetzt zurückgehe in eine Zeit, die weit zurück liegt nämlich in die Zeit um nineteenhundert.

00:18:33: Ja warum tue ich das heute bei diesem Thema?

00:18:37: Mir geht es darum zu zeigen, dass es ähnliche Probleme auch schon früher gab.

00:18:42: Weil das gibt ja immer diese Erzählung... Es gibt zwei Möglichkeiten mit Geschichte umzugehen.

00:18:47: Also einerseits zu sagen, es ist alles immer schlimmer geworden oder wir sozusagen ein Fortschrittsnarrativ ist alles mal besser geworden.

00:18:58: und wie sich vorstellen können als Wissenschaftlerin bin ich immer eigentlich bestrebt zu sagen, dass alles viel differenzierter ist.

00:19:08: Aber ich bemühe mich trotzdem – also ich spreche heute frei und nicht sehr wissenschaftlich – und versuche Ihnen die wesentlichen Punkte deutlichzumachen.

00:19:17: Und ich gehe zurück in die Zeit um ein Jahrzehnte, weil das eine Zeit ist,

00:19:22: die

00:19:23: ähnlich wahrgenommen wurde von den zeitgenossenen Zeitgenossinnen wie wir heute unsere Zeit waren nämlich als eine höchst krisenhafte Zeit.

00:19:33: Und da möchte ich darauf hinweisen, dass diese krisenhafte Zeit auch einen spezifischen Umgang mit Krankheit mit sich gebracht hat und auch mit psychischen Erkrankungen.

00:19:44: Und zwar wird dieses Zeitalter – auch von den Zeitgenossen schon als nervöses Zeitaltern benannt – und schon in der letzten Zeit, also in der ersten Zeit, klagte ein Lokführer über einen Schock als während der Fahrt sich ein Triebwerke löst hat und er sagt dann eben, dadurch sei sein Nervensystem ganz zerrüttet worden.

00:20:13: Dann einen zwanzigjähriger Tapizierer führt in der Frankfurter Nervenklinik einen unwohlsein auf Nervenzerrüttung zurück Und eine Ärztin spricht aus eigener Erfahrung über einen schweren Neurastenischub als elektrischer Sturm.

00:20:36: Und ich werde gleich noch darauf eingehen, was Neurastinie ist.

00:20:40: Es ist nämlich auch eine zeitspezifische Diagnose.

00:20:42: also das ist auch keineswegs so dass wir so erfinderisch sind mit neuen Diagnosen sondern das waren die Menschen im neunzehnten Jahrhundert auch.

00:20:51: Das sind auch Diagnosen wie heute verschwunden sind also dies einfach nicht mehr gibt die aber doch einen Blick werfen auf die Zeit und ich habe ihnen da auch ein Foto abgebildet von einem Eisenbahnunfall.

00:21:04: Und tatsächlich war der Hintergrund, dass ein Krisenbewusstsein entstand einmal durch rasante Entwicklungen.

00:21:11: Das heißt die Städte wuchsen rasant an also das ist ein Urbanisierungsprozess gewesen den die Menschen auch wahrgenommen haben.

00:21:21: dann ist es die Zeit der Industrialisierung das heißt die Zeit wo es wirklich rasante technische Fortschritte gab Und durch diese technischen Fortschritte wurde das tägliche Leben massiv beschleunigt.

00:21:34: Also wenn wir heute über Beschleunigung und Entschleunigungen sprechen, das war ein Gefühl... Das hatten die damals auch, obwohl die Eisenbahnen, die als sozusagen sehr schnell wahrgenommen wurden von uns heute wahrscheinlich als Schnecken langsam wahrgenommen würden wir mit diesen alten Eisenbahnen fahren.

00:21:53: Und hier sehen Sie einen Eisenbahnunfall.

00:21:56: und diese Eisenbahn-Unfälle führten zu einem Phänomen, was man in Großbritannien als Railways Bein bezeichnete.

00:22:05: Und jetzt habe ich meinen Stopp, oh ja gar nicht wollte nur, das zeige ich nicht überschreite.

00:22:11: Das

00:22:12: bezeichnet man als Railwaysbein.

00:22:14: Das waren richtig auch ein eigenes Krankheitsbild, nämlich von Eisenbahnerbeitern die während sie arbeiteten Unfälle erlebten und dadurch Symptome zeigten, das werde ich gleich später noch mal erläutern den Symptomen einer Hysterie ähnlich waren.

00:22:32: D.h.,

00:22:34: das war ein Anfallsartige Symptome, das waren Muskelzittern.

00:22:41: Also das war ein Phänomen was dann als Railways Bein bezeichnet wurde.

00:22:47: Was übrigens auch typisch war für diese Zeit waren Selbstdiagnosen.

00:22:51: aber darauf gehe ich auch noch ein und zwar gehe jetzt nochmal kurz auf das Krankheitsbild Neurastennieh ein was in der Forschung häufig eben als Leiden an Kultur- und Zivilisationen bezeichnet wird.

00:23:08: Und ja, einen Zeitgenosse will er im Erb der Pathologe-Internist und Neurologe war.

00:23:16: Und auch ab aus den letzten Jahren war er Professor.

00:23:21: in Heidelberg und Direktor der medizinischen Klinik.

00:23:25: Der sagt über die Neurastinesie ist die Mode neurose unserer Tage, die Nervenkrankheit par excellence und erscheint in tausend wunderbaren Formen.

00:23:35: also aus diesem Zitat wird deutlich ernehmt das nicht ganz ernst diese Diagnose und beschreibten Phänomen wie wir es vielleicht auch heute beschreiben wenn neue Diagnosen auftauchen dann Richard von Kraft Ebingen, Psychator bezeichnet die Neurose als Verschlechterung der Konstitution.

00:23:58: Der Massen das heißt er bezeichnete eben auch als Massenphänomen und hier deutet sich auch schon an was ich gleich noch näher ausführen werde, ist das auch natürlich die gegenseitige Information und auch die Möglichkeiten an Informationen zu gelangen.

00:24:16: Auch dazu beigetragen hat dass sich die Krankheit ausgebreitet hat.

00:24:21: Ganz kurz dazu was hat man unter Neurastinie gefasst?

00:24:24: Das war so allgemeines Unwohlsein, Appetitlosigkeit, Verdauungsstörungen, Schwäche, Schmerzen, Schlaflosigkeit Kopfschmerzen und Abneigung gegen geistige Tätigkeit Hysterische Symptome und allerarten krankhafter Furcht, knallende und pulsierende Ohrengeräusche sowie vorzeitiger Samenergist beim Mann.

00:24:48: Und Menstruationsunregelmäßigkeiten bei der Frau.

00:24:53: Also Sie merken es sind sehr unspezifische Symtome die auch eine große Möglichkeit der Identifikation mit diesem Krankheitsbild eröffnet haben.

00:25:02: das heißt eigentlich wenn jemand diese Reihe von Symptomen gelesen hat hat er wahrscheinlich gedacht, oh Gott das habe ich auch.

00:25:10: Neurastinie!

00:25:13: Ich habe jetzt schon ein paar Mal die Hysterie erwähnt.

00:25:15: Die Hysteries ist keineswegs eine neue Diagnose, allerdings schon neu in der Art und Weise wie sie im neunzehnten Jahrhundert begriffen wurde.

00:25:25: Sie ist eigentlich eine uralte Erkrankung, die schon in der Antike beobachtet wurde.

00:25:30: und dort hat man beobachtet dass Frauen Anfälle hatten ähnlich wie Epileptikerinnen und auch sozusagen sich an den Hals gefasst haben, weil sie keine Luft mehr kriechten.

00:25:44: Weil die Vorstellung war das Frauen, die nicht häufig genug schwanger wurden was eigentlich ja ihre Bestimmung war.

00:25:52: Die hatten eine wütende Gebärmutter, die ist im Körper umhergewandert und hat dann zu diesen Anfällen geführt.

00:25:59: Sie konnte auch bis in den Halt hoch wandern und zu Erstickungsanfällen führen.

00:26:04: Und diese Diagnose Die hat es die ganze Zeit gegeben, ist dann jeweils zeitspezifisch gedeutet worden und im Um-Ninzehnhundert erreicht diese Diagnose eine unglaubliche Popularität.

00:26:20: Um-Neunzehn-Hundert wird Hysterie als Nervenkrankheit begriffen.

00:26:24: Und zwar... ...die Vorstellung ist um-neunzehntundert weil die Gebärmutter sehr stark durch Nerven durchsetzt ist.

00:26:34: Kriegen Frauen halt diese Symptome.

00:26:36: Auch die Symptomen sind ähnlich, Epilepsie-ähnliche Anfälle aber auch eine ganze Reihe von Erscheinungen, die man sich nicht... Also keine somatischen Fundierung haben das heißt Lämungen und Schmerzen und Sprachstörungen Sehstörung

00:26:52: usw.,

00:26:52: also die Rückenschmerzen die man nicht erklären kann.

00:26:58: zählige Zahl von Symptomen, die Frauen zeigten und für die Ärzte keine Erklärung hatten.

00:27:05: Und ich habe Ihnen hier eine berühmte Hysterikerin abgebildet das ist Bertha Pappenheim alias anao und anao war die erste Patientin mit der Sigmund Freud die Methode der Psychoanalyse halt erprobt hat.

00:27:25: feministische Forschung sagen auch, dass Bertha Pappenheim keinen unweselichen Anteil hatte an der Entwicklung der Methode.

00:27:33: Wir erfahren auch das es nicht viel geholfen hat aber Es war sozusagen eine Methode um tatsächlich Hysterie nochmal anders zu begreifen als nur Als die Erkrankung der Gebärmutter, weil die Erkrankungen der Gebäermutter wurde zum Teil auch mit brachialen Methoden behandelt.

00:27:50: Also in der Gynecologie hat man Gebär-Mütter entfernt operativ bei hysterischen Frauen Sie können sich vorstellen das ist ein massiver Eingriff gewesen oder hat auch Cliteridectomine also die Entfernung der Clitoris durchgeführt und ähnlich schmerzhafte Prozeduren Und da war so eine Gesprächstherapie glaube ich dann doch eine sanftere Methode der Behandlung, die auch diese Krankheit tatsächlich in einen sozialen Kontext gesetzt hat und sich auch die spezifischen Bedingungen angeschaut hat den Frauen ausgesetzt waren.

00:28:25: In der Zeit war lange die Hysterie in Erforschung auf die Erkrankung der bürgerlichen Frauen.

00:28:34: aber eigentlich sozusagen hat sich auch diese Krankheit sehr stark verbreitet.

00:28:40: im neunzehnten Jahrhundert und es gibt so in Paris das Phänomen Jean-Marthe Chaco, ein Neurologin Französischer hat.

00:28:53: sehr intensiv geforscht zu Hysterie und hat immer öffentliche Vorlesungen gehalten, in denen er seine Hysterikerin einer größeren Öffentlichkeit präsentiert hatte.

00:29:04: Nämlich diese Vorlesung waren ein gesellschaftliches Ereignis.

00:29:08: nicht nur Mediziner sind zu diesen Vorlesen gekommen sondern auch die Pariser Bohemme und die Bourgeoisie und das war quasi hatte auch für dienen unterhaltsamen Charakter.

00:29:20: Das war ein öffentliches Spektakel Aber das hat auch dazu geführt, dass dann diese Symptome der Hysterie sich verbreitet haben.

00:29:27: Also man wusste sozusagen welche Symptomen haben Hysterikerinnen Und da gibt es auch natürlich die These, dass das auch einen ansteckenden Charakter hatte.

00:29:39: Also und auf dieser berühmten Abbildung sehen sie Blanche Wittmann – das war die Paradehysterikerin mit der Chaco häufig Vorlesungen gemacht hat weil die besonders so gestibel war und eigentlich genau das getan hat was er gerne wollte.

00:29:57: Chaco hat ja auch so ein Phasenmodell entworfen und hat eine hysterische Symptome entworgen, wie sie in einer Abfolge erscheinen würden.

00:30:07: Und schon gehässige Kollegen haben gesagt dass diese Symptoma eigentlich nur in Paris auftreten und streng genommen auch nur in seinem Hörsaal also... Ja!

00:30:18: Diese Nervosität von der Zeitgenossensprache eben auch aufgrund von Fortschritt, führten auch dazu dass auch Frauen den Eindruck hatten sie wären nervös oder hätten eine Neurasthenie.

00:30:35: und besonders stark diskutiert wurde das in diesem Beruf der Telegrafen Gehilfe die tatsächlich nervös wurde dadurch, dass sie halt ständig Stromschläge bekam.

00:30:48: Weil diese Kopfhörer damals noch nicht isoliert waren.

00:30:51: das heißt die hat diese Telegraphengehilfen haben täglich mehrmals einen elektrischen Schlag bekommen waren aber auch großem Stress ausgesetzt.

00:31:00: Also dieser Beruf war auch sehr stressig und da gab es dann Telegraphengehilfen, die haben sozusagen wirklich... sind dann krank geworden und ihre Krankheit wurde aber nicht als Berufskrankheit anerkannt weil gesagt wurde Frauen sind ja von Natur aus hysterisch.

00:31:16: also warum soll der Arbeitgeber das als Erwerbsunfähigkeit anerkennen?

00:31:22: Eine Telegrafengehilfin hat massiv dafür gekämpft, dass das als Berufskrankheit anerkannt wurde.

00:31:28: Was dann schließlich auch geschah.

00:31:30: aber da sieht man auch daran sozusagen dieses Vorurteil, dass alle Frauen hysterisch sind.

00:31:36: die Wahrnehmung überlagert so ich habe ja schon davon gesprochen, dass auch im neunzehnten Jahrhundert man eigentlich von etwas spricht was Ellen Shawwater eine Literaturwissenschaftlerinnen, Kulturwissenschaftlern mal als mediale Infektion bezeichnet hat.

00:31:51: Und das ist ja ein ähnliches Phänomen wie das was Sie eben beschrieben haben nämlich man hat sich in der Zeit beklagt dass im Grunde genommen die Menschen sich Krankheiten einbilden würden weil sie sozusagen sehr viel lesen würden über Krankheiten.

00:32:07: Das, was wir heute als neu und ein bisschen unheimlich empfinden nehmen das Social Media.

00:32:12: mit allen Auswirkungen haben die Menschen damals so empfunden dass plötzlich ganz viele gedruckte Medien halt im Umlauf waren verfügbar, waren auch für Menschen mit wenig Geld und wenig Bildung es möglich war sich über Krankheiten zu informieren.

00:32:30: Und ich habe Ihnen hier ein Titelblatt der Gartenlaube abgebildet.

00:32:33: das war eine illustrierte Zeitschrift eigentlich für das Bürgertum aber diese Zeitschaft wurde auch von Dienstmädchen zum Beispiel gelesen die bürgerlichen Haushalt dienten die dann auch diese Zeitschrift lasen.

00:32:50: Und hier habe ich einen Artikel, der sich beschäftigt mit Neurastelivo.

00:32:54: genau beschrieben wird, worin sich das äußert und wie man es verhüten kann.

00:33:00: Da auch alle Symptome beschrieben sind, kann man natürlich auf der Grundlage eines solchen Textes selbst diagnostizieren.

00:33:10: Es gibt aber eine andere Form Infektion, die thematisiert wird.

00:33:15: Nämlich das Frauen plötzlich anfangen intensiv zu lesen was eigentlich sozusagen ein geschlechts- und spezifisches Verhalten war.

00:33:26: was auch die Zeitgenossen hauptsächlich eben Ärzte, hauptächlich Männer beunruhigt hat ist dass Frauen stundenlang gelesen haben und dann noch Liebesromane und man spricht in derzeit von geistiger Unani die dort passiert, eben beim Lesen dieser Liebesromane oder von sozusagen sexuellem gedanklichen Ausschweifungen.

00:33:51: Die dann passieren durch diese Lektüren und ich habe ja in meiner Dissertation geforscht zu Hysterikerinnen zwei Beispiele bringen, wie in einer psychiatrischen Anstalt um nineteenhundert diese mediale Infektion in Erscheinung trat.

00:34:11: Ja wer hat nun dazu beigetragen?

00:34:13: Das waren Autorinnen die sogenannte Schundromane geschrieben haben also Groschenromane die dann vom Bildungsbürgertum als Schundromane bezeichnet wurden.

00:34:22: das war Sehr bekannt war Hedwig Kurzmaler.

00:34:25: Die kennen vielleicht ältere von ihnen auch noch, weil die eigentlich gibt es immer noch bei Bastal Lübe Bücher von Hedwich Kurzmalen.

00:34:32: Hedwick Kurzmalern hat deshalb so gut schreiben können für Dienstmädchen, weil sie selber mein Dienstmännchen war.

00:34:39: Sie kam aus kleinen Verhältnissen ihre Mutter... ging der Prostitution nach und sie kam aus sehr zerrütteten auch familiären Verhältnissen.

00:34:49: Und hat dann als Dienstmädchen gearbeitet, als Dienst Mädchen die Gartenlaube gelesen und darin auch so eben Romane von Eugenie Marlitz, auch eine Autorin, die Unterhaltungsromane schrieb und da hat sie sich anregen lassen, selber anzufangen zu schreiben und hat dann eben diese Liebesromane gelesen.

00:35:15: Ich habe Ihnen da mal zwei Titelbilder abgedruckt, meistens ist der Plot eben das ein armes Mädchen sich verliebt in einen reichen meistens adligen Mann.

00:35:27: Diese unmögliche Verbindung... Also solche Romane müssen ja auch ein Happy End haben aber diese Romane sollen nicht die soziale Ordnung infrage stellen.

00:35:37: deshalb ist es so dass diese unmögliche Liebe ermöglicht wird, dadurch das sich rausstellt.

00:35:43: Dass das arme Mädchen eigentlich sozusagen verarmt ist und eigentlich aus dem Veramten Adel kommt und dann wird die soziale Ordnung am Ende wieder hergestellt.

00:35:52: Und sie können sich vorstellen, dass diese Geschichten bei den Dienstmädchen sehr beliebt waren.

00:35:57: Da hat man natürlich beklagt, die lesen das kommen auf dumme Gedanken nämlich haben doch eben Ideen von sozialem Aufstieg.

00:36:06: Und sie machen das nachts, weil tagsüber haben Sie ja keine Zeit und sind dann tagsüber kopflos und unkonzentriert bei der Arbeit als Dienstmädchen.

00:36:17: Das wurde lang und breit in bürgerlichen Kreisen beklagt.

00:36:24: Es gibt auch noch eine andere Form, sich medial zu infizieren.

00:36:28: Das ist eben durch das Lesen von Fachbüchern.

00:36:32: Das haben Ärzte nicht so gerne gehabt, dass Laien halt Fachbücher lesen und dann anfangen sich selbst zu diagnostizieren.

00:36:40: Und dieses Phänomen haben viele hauptsächlich Neurologgen und Psychiater derzeit beschrieben sehr prominent Hermann Oppenheim der sozusagen eine Schrift verfasst hat, Nervenkrankheit und Lektüre.

00:36:55: Und er spricht eben in dieser Schrift von den sogenannten Lexikonhypochondern die durch das intensive Lesen von Fachbüchern halt die Symptome, die dort beschrieben würden entwickelt haben und dann auch noch mit fertigen Diagnosen zum Arzt kommen sozusagen dann ihr Fachwissen dem Arzt gegenüber deutlich machen, was die Ärzte auch nicht so gutiert haben.

00:37:25: Also man muss sagen es war eine andere Zeit.

00:37:27: Es war noch ein sehr anderes Verhältnis zwischen Ärzten und Patientinnen.

00:37:32: Ein eher autoritäres und diese Autorität wurde ja dadurch in Frage gestellt.

00:37:38: Einen Werk das auch dazu beigetragen hat und viele andere Werke, die eben auch folgten.

00:37:44: Ein Gesundheitsratgeber, der geschrieben war von Anafischer Dükelmann.

00:37:51: Der in vielen vielen Auflagen übrigens hier in Stuttgart verlegt erschienen ist.

00:37:56: und Anafisher Dükelman gehört auch zu den ersten studierten Ärztinnen.

00:38:01: also sie hat in Zürich studiert Medizin als Frauen In Deutschland noch nicht zugelassen waren zum Studium.

00:38:08: In Deutschland wurden Frauen in den verschiedenen deutschen Ländern so etwa um nineteen Hundert zugelassend zum Studiums und in Zürich schon achtzehnhundertvierundsechzig, und sie hatte dort Medizin studiert hat dann ihre Assistenzzeit gemacht in einer Klinik von BILDS.

00:38:27: das war ein Naturheilkundler in Dresden Und hat dann als Ärztin praktiziert und ist aber sehr bekannt geworden eben durch diesen Ratgeber, die Frau als Hausärztin.

00:38:39: Und ihre Idee war eigentlich Frauen aufzuklären über ihren Körper, über Gesundheit und sie auch in die Lage zu versetzen bei ihren Kindern Krankheiten zu erkennen und sie dann mit den Kindern zum Arzt zu gehen.

00:38:52: Aber dieses Buch sind sehr dickes Buch und dort wird sehr ausführlich fachwissen leingerecht erklärt hat natürlich auch dazu dienen können, einfach Selbstdiagnosen zu erstellen und auch selbst eine Behandlung einzuleiten.

00:39:08: Und das wurde ihr auch vorgeworfen dass sie sozusagen diesen Selbstdiagnosen in dieser Selbstbehandlung Vorschub leisten würde.

00:39:17: Hysterie beschrieben und auch viele andere Krankheiten.

00:39:20: Und damit halt diesen Phänomenen der Lexikonhypochondrie Vorschub geleistet, aber ist ein typisches Phänomene.

00:39:28: in der Zeit gab es eine Vielzahl dann von Gesundheitsratgebern.

00:39:31: die Menschen haben sich diese Bücher gekauft und intensiv gelesen und sich mit ihrem Körper und ihrer Gesundheit beschäftigt.

00:39:41: ja Eine letzte zeittypische Diagnose ist die Diagnosis des Querolanden-Wahnsinns.

00:39:47: Die wollte ich noch mal rausgreifen, auch eine sehr zeit typische Diagnose nämlich.

00:39:52: In den letzten Jahren gab es sozusagen eine neue Zivilprozessordnung, die ermöglichte eben dass alle Menschen also man muss eigentlich eher sagen Männer weil Frauen hatten eigentlich noch keine Also waren noch nicht rechtsmündig in der Zeit, sondern nur über ihren Mann.

00:40:12: Alle Staatsbürger sollten gleich sein vor dem Recht und jeder Mann konnte seinen Recht einklagen.

00:40:18: Das führte zu einer Klagewelle wie sie sich vorstellen können.

00:40:22: Nachbarschaftsstreitigkeiten wurden vor Gericht ausgetragen Und das war ein relativ neues Phänomen, was für uns heute ganz vertraut ist war etwas, was nicht nur die Gerichte natürlich massiv überlastet hat und auch gestört hat.

00:40:38: Und dann hat man Psychata zur Rate gezogen.

00:40:41: heißt es ist noch nicht normal so ein Verhalten.

00:40:44: Und Psychata haben dann hauptsächlich.

00:40:47: interessanterweise waren sehr häufig Volksschullehrer und auch andere Bildungsbürger aber Lehrer waren ganz vorne dabei mit diesen Klagen.

00:41:00: Die wurden dann eben als Quero-Landen wahnsinnig diagnostiziert und sie wissen, das ist halt ein geschlossener Zirkel.

00:41:09: Weil wenn man Quero Landenwahnsinnig ist und dann in die Psychiatrie kommt sich dort beschwert, dann ist es ja einfach nur ein weiteres Symptom für diesen Quero Landen Wahnsinn.

00:41:18: Das heißt, man kommt da nicht raus.

00:41:20: Also wenn man da erstmal drin ist kann man sich kaum dagegen wehren.

00:41:25: Es gibt noch andere Begriffe dafür Prozess, Creme, Wahnsinn... Und es überhaupt die Diagnose paranoia ist, auch eine Diagnosen, die in der Zeit erst aufkommt.

00:41:37: Also von daher wäre das mein letztes Beispiel von zeitgebundenen Diagnosen wobei die Diagnose querulanten Wahnsinn gibt es immer noch.

00:41:45: Das ist interessant, finde ich.

00:41:47: Also dass es die immer noch gibt... Ich kriege auch öfter mal E-Mails von querulanten Wahnsinnigen als querulante wahnsinnig diagnostizierten Menschen und da weiß man immer nicht was zuerst.

00:41:59: Da war die Henne oder das Ei.

00:42:00: also dass sie zu Unrecht so eine Diagnose bekommen haben und dann darüber ein bisschen verrückt geworden sind oder ob sozusagen weil das sind schon E-mails die sehr speziell sind, also sehr lang meistens Genau.

00:42:16: Und damit wäre ich mit meiner historischen Einordnung auch am Ende angelangt und hoffte, Ihnen zeigen zu können dass das was wir so als auch krisenhaft wahrnehmen also wir nehmen ja unsere Zeit heute auch als eine krisenhafte zeit war dass das schon mal ähnlich war um nineteenhundert wenn auch historisch sehr spezifisch und mit sehr speziefischen medien und mit der spezifiker wahrnehmung.

00:42:42: vielen dank für Ihre Aufmerksamkeit.

00:42:50: Mein Name ist Dagmar Preis und ich komme vom Gesundheitsladen.

00:42:54: Das ist eine Einrichtung, die

00:42:56: wiederum

00:42:57: drei Untereinrichtungen hat.

00:42:59: Das eine ist der Mädchen-Gesundheitsladen des Anderes Jungen im Blick und das dritte ist eine Anlaufstelle bei Ästerungen, die heißt Abbas und es hier auch in Stuttgart.

00:43:08: Wir sind Präventions- und Beratungsstellen, und wir haben – und deswegen sind wir hier eingeladen worden mit verschiedenen Schulenkooperationen.

00:43:17: Das heißt, wir bieten an Schulen ein innerschulisches niedrigschwelliges Beratungangebot für Mädchen in der Einschule, für Mädinnen und Jungs an den anderen Schulen an.

00:43:29: Und das heißt, dass wir dort wöchentlich vor Ort sind und versuchen Schülerinnen und Schüler bestmöglich zu unterstützen, wenn sie Herausforderungen jeglicher Art haben.

00:43:39: Das heißt an den Schulen ist es in der Regel so dass das eine Dreiteilung hat.

00:43:44: die Eintrittel ungefähr hat tatsächlich Probleme im schulischen Bereich.

00:43:47: da geht's oft um Klassenkonflikte es geht viel um Konzentrationsstörungen Es geht viel darum um Schulmotivation in den letzten Jahren auch.

00:43:57: Und der zweite Bereich sind familiäre Herausforderungen.

00:44:01: Das sind zum Teil familiäre Ereignisse wie zum Beispiel Neugebord eines Kindes, Geschwisterkindes.

00:44:10: Es ist aber auch viel Tod und Trauer in den Familien wenn es zu Scheidungen kommt.

00:44:15: Und wir haben in dem Bereich viele Fälle von Paragraf A. Also das heißt der Kindessohlgefährdung, wenn es in der Familie Gewalt gibt kommen die auch in diese Beratung.

00:44:24: Der dritte Bereich, und deswegen sind wir heute hier oder bin ich heute hier ist das Thema psychische Gesundheit.

00:44:30: Das heißt es ist tatsächlich auch ein Thema des Mädchen-und-Jungs in den Schulen beschäftigt.

00:44:37: Das heisst es kann relativ breit gefächert sein.

00:44:41: Es kommen Mädchen und Jungs die sagen Ich habe ADHS, ich hab eine Autismus-Spectrum-Störung, ich habe Depressionen, ich haben Angststörungen, ich habs zwangsgedanken oder Probleme in anderer Art, wo sich es hier schon unterscheidet ist tatsächlich das die meisten Mädchen.

00:44:59: Da gibt's einen geschlechtsbezogenen Unterschied mit Eigendiagnosen kommen, also mit sozusagen aus einer eigenen Not raus.

00:45:08: und bei den Jungen ist es so dass die häufig geschickt werden, häufig in dem Kontext Emotionsregulation.

00:45:14: Das heißt das der Unterstrich einfach sehr schwierig ist weil sie mit ihren Emotionen nicht so umgehen können, dass der Unterricht treibungslos läuft, d.h.

00:45:24: Sie wären viel mehr geschickt.

00:45:26: In der Jugendphase, das haben meine Vorrednerinnen schon auch gesagt ist es tatsächlich so dass Mädchen und Jungs mit einem vielfältigen Entwicklungsaufgaben konfrontiert sind die sie alle bewältigen sollten.

00:45:39: Entschuldigung wenn Sie gut ins Erwachsenenalter hinübergleiten wollen.

00:45:45: Das ist so, das wird häufig unterschätzt wie groß diese Umbruch zwischen Kindheit und Jugend ist.

00:45:51: Lange hat man gedacht die Jugendphase wäre so ein Zwischending zwischen Kindheits- und Erwachsensein aber es ist eine eigenständige Lebensphase mit eigenständigen Entwicklungsaufgaben und von daher immer schon sehr krisenbehaftet.

00:46:04: Es ist wichtig dass wir das wissen!

00:46:07: Und das heißt wenn ich viele Entwicklungs Aufgaben als Mädchen Junge habe und mit vielen Sachen konfrontiert bin gerne konfrontiert sein möchte, geht es auch viel darum immer wieder sich zu verorten.

00:46:20: bin ich eigentlich normal.

00:46:21: Ist das normal wie das bei mir läuft?

00:46:26: Viele Jugendliche oder was den meisten von ihnen bekannt sein wird aus der eigenen Biografie geht viel um körperliche Veränderungen.

00:46:33: also sind meine körperlichen Veränderung normal oder ist das schon irgendwie außergewöhnlich?

00:46:38: aber es betrifft auch die mentale Gesundheit und die mentales gesundheit

00:46:44: betrifft

00:46:44: es deswegen verstärkt, weil die sich in den letzten zwei Jahrzehnten... deutlich verschlechtert hat bei Kindern und Jugendlichen, und zwar nicht nur deutlich und drastisch sondern voraussichtlich auch dauerhaft.

00:46:58: Diese Verschlechterung ist aber nicht nur bei den Kinder- und Jugendlichens zu spüren, sondern auch bei den Erwachsenen.

00:47:03: das heißt Erwachsene Eltern oder Lehrkräfte oder diese begleitenden Erwachsen sind oftmals auch nicht mehr so dieses stabile Gegenüber was man sich dann vielleicht in Krisen wünschen würde.

00:47:17: Das andere ist tatsächlich, dass dieses Thema mentaler Gesundheit und psychische Gesundheit auch medial eine enorme Aufmerksamkeit erfährt.

00:47:26: Und aber auch zunehmend erfahren hat.

00:47:27: es gibt viele gute Studien dazu was sehr hilfreich ist Aber letztendlich diese Aufmerksamkeit gestärkt hat.

00:47:34: und deswegen fragen die sich nicht nur Bin ich groß genug bin ich dick oder dünn genug sondern die fragen sich auch bin ich psychisch gesund.

00:47:42: Also das ist sozusagen dieses Eigenthema mit dem, die sich beschäftigen Die Mädchen mehr als die Jungen.

00:47:49: Das ist das was uns auffällt.

00:47:53: Zu dem Thema jetzt Orientierung im Netz.

00:47:57: ist es so dass sich tatsächlich Jugendlichen viel Mühe geben wenn ich das mal so sagen darf wie geht's mir eigentlich?

00:48:05: Dieses Unwohlsein für sich ein Stück weit auch einzuordnen?

00:48:08: Wo bin ich da verortet?

00:48:11: Und die suchen sich tatsächlich Unterstützung zunächst erst mal im Netz.

00:48:15: Aber das machen, wenn sie auch für Siegaufgaben nicht verstanden haben.

00:48:19: Das machen die auch, wenn diese irgendwie ihre Englisch-Vokabelerne Strategie verbessern wollen.

00:48:24: Das heißt es ist gerade dieses Tool zumindest in Mitteleuropa wo Jugendliche sich Informationen holen.

00:48:31: Also das heißt die machen das im Kontext mentale Gesundheit genauso wie bei anderen Herausforderungen, die sie in ihrer Lebensphase erleben.

00:48:41: Und wenn Mädchen tatsächlich vorwiegend die Mädchen ab vierzehn Jahren zu uns in die Beratung kommen, bei der Beratungen zur Schule dann waren sie in der Regel schon im Netz gewesen.

00:48:54: Also das heißt, die sagen ich habe die und die Diagnose, zum Beispiel eine Angststörung, ich war am Netz und hab mal geschaut was es so ist Und jetzt bin ich hier, weil ich diese Diagnose habe.

00:49:05: Also die relativ offen damit umgehen.

00:49:09: Viele haben aber auch ein schlechtes Gewissen, weil sie mit ihrer Diagnosis ankommen und sagen ja ich war jetzt leider schon im Netz, aber ich glaube ich hab ganz sicher, ich hab ADHS und es kann eigentlich überhaupt nichts anderes sein.

00:49:20: also das heißt auch die kommen sozusagen mit so einem halb schlechten Gewissen.

00:49:25: Und was das Netz aber oft auch macht, dass es dann rät zur Beratung zu Fest-Based-Beratung zum Menschen zu gehen.

00:49:32: Also das ist ja letztendlich auch wiederum der Vorteil.

00:49:37: Was wir auch erleben in diesem Kontext ist nicht nur dass die Jugendlichen sicher auf den Weg machen sondern dass sich auch Freundinnen auf dem Weg machen sobald sie sich Sorgen machen um in eine Mitschülerin.

00:49:49: oder ein Mitschüler fängt die mal selber an zu recherchieren und konfrontiert dann diese Mitschülerin oder den Mitschulen-Freundin mit einer Diagnose.

00:49:58: Also ich habe jetzt gestern Nachmittag zwei Stunden recherchiert, und es haben sie ja eindrücklich tatsächlich gezeigt... Ich hab mir echt Mühe gegeben, zwei Stunden recherchiert und letzte Woche war ich auch schonmal im Netz und ich bin mir jetzt ganz sicher dass du eine Autismus-Spektrumstörung hast.

00:50:14: Also das heißt, was die Freundinnen sagen spielt dann oft auch ne Rolle oder dass du ne Depression hast oder vielleicht auch ne Zwangsstörung oder Esschwörung oder was auch immer.

00:50:25: Der dritte Faktor der manchmal so ein bisschen übersehen wird aber was bei uns in der Beratung tatsächlich auch ankommt, dass Eltern ihre Kinder häufiger mit Diagnosen konfrontieren ohne die medizinisch psychiatrisch abgeklärt zu haben als auch Eltern.

00:50:43: sind im Netz und sagen dann zu ihren Kindern ohne praktisch ärztliche Unterstützung, ohne therapeutische Unterstützung.

00:50:50: Du hast EADHS, du mit deiner Depression also das heißt wo es auch immer mit einer kleinen Abwertung verknüpft ist.

00:50:58: Das sind sozusagen diese drei Hauptlinien die wir so erfahren wie sie zu ihren Diagnosen kommen und die sind tatsächlich sehr netzbezogen aber auch geschlechtsbezogen d.h.

00:51:09: Mädchen sind in diesem Kontext viel aktiver unterwegs als die Jungen des.

00:51:15: Unsere Aufgabe sehen wir dann tatsächlich darin diesen ganzen Diagnosen erst mal mit Wertschätzung zu begegnen, weil die haben sich Mühe gegeben.

00:51:23: Das machen sie nicht, weil es ihnen langweilig ist sondern das machen sie, weil's ihnen gut geht.

00:51:28: und wenn eine zehnjährige zu mir kommt und sagt Sie weiß jetzt ganz genau was sie hat?

00:51:33: Sie ist so überzeugt!

00:51:34: Weil ihr würdest ja jetzt schon eine Weile nicht gut gehen.

00:51:37: also zur Erstberatung Sie weiß jetzt, was sie hat und das ist eine Angststörung.

00:51:42: Und es wäre sowas ganz, ganz Schlimmes!

00:51:45: Wenn ich dann zu dieser zehnjährigen sage... Das ist relativ unwahrscheinlich oder irgendwas, obwohl ich sie gar nicht richtig kenne.

00:51:52: Dann würde das sozusagen Sie nochmal eher zusätzlich nicht motivieren sich sozusagen mit der Störung auseinanderzusetzen oder vielleicht auch Nichtstörung aueinander zu setzen.

00:52:04: Sondern es ist eine Einladung sich dieses gemeinschaftlich anzugucken und zu gucken woher die Diagnosen kommen.

00:52:11: Für uns erschreckend ist tatsächlich dass das in den aller, aller, allermenigsten Fällen gesicherte Diagnosen durch Fachmenschen sind.

00:52:21: Auch welche die praktisch schon länger in Behandlung sind.

00:52:24: auch von Familien, die schon länger mit Diagnose herumdoktern ist es oftmals nicht richtig abgesichert und das ist natürlich für die Entwicklung oder eine gesunde mentale Entwicklung für Mädchen und Jungs alles andere als hilfreich.

00:52:40: was auch noch im Kontext tatsächlich Ja.

00:52:44: und dann natürlich zu gucken, zweiter Schritt ist zu gucken was brauchen die eigentlich im Sinne der Störung dass ich das gut entwickeln kann.

00:52:50: Also brauchen sie ein ambulantes Setting, brauchen vielleicht auch ein stationäres Setting aber letztendlich sich erst mal Zeit zu nehmen für diese Verunsicherung die mit diesen Diagnosen verbunden ist.

00:53:00: Das andere was in dem Kontext immer wieder auffällt an Schulen ist ja praktisch dass Jugendliche sich nicht in einem luftleeren Raum befinden sondern endlich immer in Bubbles unterwegs sind.

00:53:14: Das heißt, wir sind auch immer in irgendwelchen Gruppen unterwegs und dort gibt es Resonanz!

00:53:20: Also das heißt, ich bin mit meiner Klicke unterwegs.

00:53:23: Meine eine Freundin hat gesagt, vielleicht hast du eine Depression?

00:53:27: Die andere hat gesagt ja eine Depression glaube ich eher nicht.

00:53:29: Ich glaube eher mal eine soziale Phobie und der dritte sagt da nochmal was anderes.

00:53:33: Und was dann schon auffällt dass wir an den Schulen an denen wir sind es Klassen gibt wo es tatsächlich vermehrte Diagnosen gibt Und diese Phasen können ein, zwei Jahre andauern.

00:53:46: Das wurde hier mit der sozialen Ansteckung sozusagen ein bisschen betitelt und es gibt andere Klassen wo das kaum vorkommt.

00:53:53: also dieser sogenannte Looping Effekt ist nicht zu unterschätzen in diesem ganzen Kontext psychische Gesundheit.

00:54:01: Das heißt auch dass dann diese Diagnosen dynamisch Konstellation sozusagen entwickeln können.

00:54:11: Zum einen, was vorher auch angeklungen war, praktisch wenn man online unterwegs ist, wenn ich in einem Gruppenchat bin mit lauter anderen mit selbstverletzendem Verhalten und mir geht es wieder besser dann kann ich als Jugendliche diesen Chat kaum verlassen.

00:54:27: Als dreizehn- vierzehnjährige, als siebzehn-, achtzehnjährige ist das etwas ganz anderes.

00:54:30: aber wenn nicht dreizehn-, vierzehntalbin fehlt es den unheimlich schwer solche Zets zu verlassen Weil sie würden ja ihre Freundinnen verlassen, die sie eigentlich unterstützen möchten.

00:54:40: Also das ist sozusagen eine Dynamik, die nicht ganz so gut ist.

00:54:44: Es sollte auch eine unruhige Dynamik insbesondere an Schulen sein kann, dass die aufgrund ihrer psychischen Belastungen Sonderposition in der jeweiligen Klasse haben und aufgrund dieser Sonderpositionen die ganzen Klassengefüge immer wieder durcheinander geschmissen werden.

00:55:00: Heute kam ne Lehrerin zu mir und hat gesagt, sie hat jetzt ne Zehnteklasse drei mit Diagnosen in dieser Klasse und sie sagt unterrichten ist kaum mehr möglich, weil praktisch diese drei haben diese Diagnose.

00:55:13: Und alle anderen denken Sie brauchen jetzt auch immer was wohl in der Klasse leider passiert ist.

00:55:18: Sie brauchen auch immer wieder Sonderpositionen.

00:55:21: und da geht es ganz viel um Anwesenheit in der klasse also in der Schule ist man anwesend oder nicht darf man früher nach Hause gehen und wo man dann auch merkt, was es für eine Not innerhalb von solchen Klassen auslösen kann wenn es zu solchen Diagnosen sozusagen gibt.

00:55:39: Ganz wichtig ist tatsächlich unsere Beobachtung nach sind echt Menschen Wenn die Diagnose im Internet gestellt worden sind, wenn ich Eigendiagnosen habe als Jugendlicher oder als Jugendliche Und ganz wichtige Menschen sind in dem Fall tatsächlich die Eltern.

00:55:56: Die werden Häufig unterschätzt von den Jugendlichen selber, die unterschätzen ihre Funktion aber auch als Unterstützungssystem häufig selbst.

00:56:05: Also nach dem Motto das sollen sie mal für sich ausmachen.

00:56:09: Jugendliche sagen oft naja es ist ja mein Problem da haben meine Eltern nichts mit zu tun Aber unsere Erfahrung ist tatsächlich Die.

00:56:16: wenn die Eltern mit dem Boot sind Ist die Heilung schneller.

00:56:21: Die Verbesserungen geht deutlich deutlich schneller voran.

00:56:27: Insgesamt denken wir aber auch, dass die Verbesserung der psychischen Gesundheit eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist.

00:56:35: Also das heißt, dass nicht nur Jugendliche individuell für ein Medienkonsum oftmals angeklagt werden von Erwachsenen nach wie vor – was ganz schwierig ist aus meiner Sicht Und was uns wichtig ist, was uns aber als Gesellschaft gerade schwer fällt – das haben Sie auch vorher gesagt – ist tatsächlich Zuversicht zu vermitteln.

00:57:02: Also

00:57:03: d.h.,

00:57:04: die Zuversich zu vermittelten dass die Dinge das Krisen auch gut ausgehen können, das fällt uns individuell, aber das fehlt uns als Gesellschaft auch unglaublich schwer und es ist die Hintergrundsfolie vor der Jugendliche erwachsen werden.

00:57:20: Das ist keine so ganz günstige im Augenblick.

00:57:24: Dann, ein zweiter Punkt aus unserer Sicht auch wichtig ist das jugendlichen Selbsterfahrungs- oder Selbstwirksamkeitserfahrungen zugemutet werden.

00:57:33: Dass die selbst wirksam sich erleben dürfen und dass sie nicht immer geschont werden müssen.

00:57:38: Es kann bei ganz kleinen Dingen sein, dass die Konflikte schon selbst lösen können, dass man ihnen das zutraut, dass mir ihn aber auch zutreut ihre Zimmerbahn selber zu streichen, dass das niemals Professionelles machen muss.

00:57:51: Bei Jugendlichen ist es so, dass die auf jede Ferie in ihr Zimmer neu gestalten wollen und dass man sagt, das sollen sie selbst machen.

00:57:57: Auch das sind Selbstwirksamkeitserfahrungen, die unheimlich wichtig sind.

00:58:01: Und im Sinne der Komplexitätsreduktion finden wir einen Punkt tatsächlich elementar wichtig und es ist das Thema soziale Beziehungen und Zugehörigkeit.

00:58:12: Wir machen die Erfahrung, sobald zugehörigkeit und soziale Bindungen wieder aktiviert werden... Was die sich ja manchmal gar nicht zutrauen, wenn es ihnen nicht gut geht.

00:58:24: Dass das praktisch die wichtigsten Prädikatoren dafür sind dass die psychischen Störungen sich verbessern und das geht nur mit echt Menschen.

00:58:34: Das diese Erfahrung können sie nicht im Netz machen.

00:58:38: Von daher schließe ich mit einem Zitat Alles, was wirklich hier im Leben ist.

00:58:42: Begegnung von Martin Buber.

00:58:45: Ich bedanke mich ganz herzlich.

00:58:51: Ich wollte Ihnen gerne nochmal die Perspektive jetzt sozusagen aus der Endstrecke der Versorgung schildern, weil ich glaube ganz entscheidend ist immer von welcher Perspektiven man auf das Thema guckt.

00:59:02: Wir haben jetzt gerade eben aus der Beratungsperspektive gehört davor aus der Perspektiv sozusagen der digitalen Nutzung und wir sind sozusagen diejenigen, die dann wirklich mit handfestem Diagnosen in die Versorgungen treten Und wir haben das im Vorgespräch schon gemerkt, unsere Perspektive ist ein bisschen andere.

00:59:22: Ist in der Tat so, wenn man sich die Jugendlichen anguckt?

00:59:24: Wir haben uns weitaus mehr mit Jugendlichen zu tun, die spät kommen häufig viel zu spätkommen und sehr handfesten und auch zum Teil deutlich chronifizierten Erkrankungen als mit Jugendlichem, die mit einer Cyberdiagnose kommen und dann letztendlich gar nicht erkrankt sind.

00:59:44: Das ist im Kindesalter ein bisschen anders, wenn es um entwicklungsbezogene Themen gibt.

00:59:48: Das heißt Erwachsene gehen mit ihren Kindern etwas anders um als Jugendliche mit sich selber.

00:59:54: Insgesamt sind wir sehr froh über das was in den letzten zwanzig dreißig Jahren passiert ist dass eine Instigmatisierung für psychische Störungen und auch für den Umgang mit sich selbst als Person eingetreten ist.

01:00:06: Und da sehen wir ganz viele unterschiedlichen Bereichen auch da wo wir zum Teil sehr skeptisch gewesen sind beispielsweise bei den Geschlechtsinkongruenzen Also, dass Menschen im Zweifel sind darüber ob ihr biologisches Geschlecht auch zu ihrem gefühlten Geschlechtspast und da haben wir sehr lange würde ich auch selbst kritisch sagen fachlich eher blockiert.

01:00:24: Jetzt gibt es inzwischen eine Leitlinie die eigentlich mit einem guten Konsens verabschiedet ist und hat vieles in der Versorgung besser gemacht und ganz wesentlich waren auch die Betroffenen die drauf getrunken haben da Gehör finden zu können an dieser Stelle.

01:00:38: das heißt Wir haben durchaus mehr Awareness für Diagnosen und was ganz typisch ist dann auch, dass es mir Vorstellungen gibt.

01:00:46: Häufig erst mal im beratungsbezogenen Kontext und wenn das dann handfester wird, dann in der Regel auch Eingang in die Diagnosefindung.

01:00:54: Und ich glaube da haben wir einen Flaschenhals also nach wie vor schwierig ein Termin zu bekommen um eine saubere Diagnostik zu machen.

01:01:05: Barometer ist für uns häufig die Notfallversorgung.

01:01:08: Das heißt, das wissen wir sehr gut aus dem Krankenhausgeschäft auch aus der Somatik.

01:01:13: Dort werden viele Dinge vorgestellt in den Nacht- und Abendstunden, die man eigentlich sehr gut im hausärztlichen Kontakt hätte bearbeiten können – häufig sogar würde ich sagen ohne ärztliche Beistand!

01:01:24: Die Notfallversohnung in der Kino- und Jugendpsychiatrie da es eher so, dass praktisch jeder Patient, der kommt, einen Aufnahmegrund hat oder eine Rasche.

01:01:34: Versorgung benötigt.

01:01:35: Das heißt, wir sehen nach wie vor dass die Patienten zwar zur Beratung finden aber danach schlecht finden in die weitere Versorgungen des Systems und das ist glaube ich ein Punkt den müssen wir uns als Erwachsene also die sozusagen im mittleren Alter des Lebens stehen und eben halt auch Gesellschaft mit organisieren sehr ernst nehmen.

01:01:54: dass wir nach wie Menschen, die besorgt um sich sind ist nicht gut ermöglichen selbst dann auch in eine vernünftige Diagnostik zu kommen, um dann auch eine entsprechende Versorgung zu erhalten.

01:02:07: Das zweite ist ein Phänomen was wir relativ gut kennen aus der Versorgungen von Patienten das in der Tat digitale Medien eine große Rolle dabei spielen.

01:02:19: und nochmal so ein paar Zahlen aufzurufen Zahl der psychisch belasteten Kindern und Jugendlichen, die ist sehr stabil gewesen über zwanzig Jahre hinweg.

01:02:29: Das wissen wir einmal aus kleinen Populationsuntersuchungen aber auch weil wir das gesamtgesellschaftlich angeguckt haben.

01:02:36: es gibt Kinder- und Jugendsurvey und da gab es immer ein Modul Bella.

01:02:40: Das ist dann in der Pandemie auch genutzt worden dieser Adressensatz um die COPSI Studie zu machen.

01:02:45: Die haben sie sicherlich alle noch im Hinterkopf dass was am UKE gelaufen ist.

01:02:49: Das war das große Glück, dass Deutschland organisiert gewesen ist Und da sahen wir, dass innerhalb von drei Monaten stiegen die Belastungen bei den Kindern und Jugendlichen an.

01:02:59: Wir sagen das ungefähr zehn Prozent immer schon früher auch mit psychischen Störungen manifest erkrankt waren bevor sie erwachsen geworden sind und das zehn Prozent schwach aufgestellt war.

01:03:10: Das heißt, die waren nicht krank haben sich belast gefühlt und wenn dann normale Stressoren auftraten beispielsweise Ortswechsel durch Umzug der Familie Freundschaften zu Ende gegen oder auch Verlusterlebnisse in der Familie sind die erkrankt.

01:03:24: Und in der Pandemie sind von diesen zehn Prozent, die schwach aufgestellt waren, die meisten auch erkrankt so dass wir jetzt bei zwanzig Prozent erkrankte Kinder und Jugendlichen angekommen sind und aus dem gesunden Spektrum unter einen Teil welche dann mit schwacher Resenz weiter abgerutscht sind an der Stelle.

01:03:41: das sollte uns zu denken geben weil wir denke ich gesamtgesellschaftlich zwei Aufträge haben einmal sozusagen Die Persönlichkeitsbildung, das heißt was Erziehung in den Familien ausmacht und die Familiensysteme sind wesentlich schwächer aufgestellt.

01:03:57: Dann ein Punkt dem man häufig vergisst soziale Ungleichheit ist fürs Kindes- und Jugendalter ein ganz entscheidender Faktor für psychische Gesundheit.

01:04:05: Das heisst wenn soziale Ungleichheit stärker wird.

01:04:08: in der Gesellschaft treten auch mehr psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen aus.

01:04:13: Und das ist genau das, was wir sehen.

01:04:15: Dass das durchaus eine Rolle gespielt hat im vergangenen Jahrzehnt.

01:04:19: und dann kommt noch dazu dass es in der Tat auch Engpässe in der Versorgung gegeben hat.

01:04:26: also wir haben viel zu lange gewartet bis wir dann auch ein höheres Versorgungsangut geschaffen haben.

01:04:32: Stuttgart hat das nachdrücklich gemacht.

01:04:37: Wirklich im Pionierarbeit für Baden-Württemberg sind erheblich mehr Behandlungskapazitäten geschaffen worden und das hat auch einen nachhaltigen Effekt erzeugt.

01:04:45: Die Wartezeiten sind runtergegangen, die Versorgung ist besser geworden.

01:04:48: Und auch was wir in der Nahdistanzen sehen Auch wenn es immer schwer auszuhalten ist, die Zahl der Suizide Ist herunter gegangen, die wir sozusagen vom Krankenhaus hier überblicken können.

01:04:59: Wir haben dann eine ganz gute Position an der Stelle im Überblick in Stuttgart weil wir allein Versorger sind.

01:05:04: Das hat auch eine historische Grundlage, das ist in anderen Städten anders.

01:05:08: Da gibt es in der Regel den Großstädten zwei bis vier Versorger und damit übersieht das Krankenhaus auch relativ gut was Versorgungsänderungen dann für die Bevölkerung bedeuten an der Stelle.

01:05:20: Um jetzt noch mal exakt auf diesen digitalen Anteil zu kommen, Kinder und Jugendlichen würden sagen, dass sind eigentlich die gleichen Phänomene ja immer schon gegeben aber jetzt ist eben ein anderes technisches Medium dazu gekommen an der stelle, entsprechend ausprobieren.

01:05:35: Und ein wesentlicher Punkt ist die Pandemie gewesen für diejenigen, die da in die Autonomieentwicklung hineingegangen sind weil ganz klassisch ist das man im Jugendalter lernen muss mit gleichaltrigen Konflikte zu lösen ohne dass Erwachsene einem unbedingt an allen Stellen beratend zur Seite stellen.

01:05:51: und da haben wir uns in Deutschland entschieden doch über längere Zeit soziale Begrenzungen einzuführen und das heißt den Jugendlichen nicht ermöglicht das indirekten Kontakt zu tun.

01:06:03: Ich habe das eben schon gesagt, auch wir Erwachsenen haben das erlebt.

01:06:06: Das beispielsweise in klassischen Besprechungsformaten die vorher in Präsenz waren und es online stattgefunden hat und wir dann sehr viel schneller zu Entscheidungen gekommen sind als früher ich würde sagen häufig gar nicht gesehen haben was für einen Schmerz wir bei denen ausgelöst haben die dann den Kürzerin bei der Entscheidung gezogen haben.

01:06:26: Das heißt der direkte Kontakt, wir haben es eben gehört die Beziehung ist eine ganz wesentliche Grundlage dafür dass man lernt miteinander Kompulse auszuhandeln und das man auch seine Emotionen im Gefüge mit anderen gut regulieren kann.

01:06:40: Und das hat diese Gruppe gut zwei Jahre nicht nutzen können sondern in die digitalen Medien übertragen.

01:06:46: und da sich die Technik dazwischen geschaltet und auch bestimmte Prozesse die ganz normal sind fürs Kindes- und Jugendalper sind digital abgebildet worden.

01:06:55: die individuelle Identitätsbildung, das heißt man guckt an anderen klassischerweise in der Schule auch.

01:07:01: Wer ist mehr ähnlich und was hat er für andere Merkmale an der Stelle?

01:07:05: Und damit verbindet sich dann die individuellen Identität mit der kollektiven Identität an dem Punkt Wir haben einen Phänomen dass die Zahl der Kinder- und Jugendlichen die in Vereinen tätig sind vom Sportverein aber alle anderen Formen von Vereinen sind weniger geworden.

01:07:20: Und das, was wir damals an kollektiver Identität vor der Pandemie hatten, überträgt sich immer mehr in eine digitale Identität beispielsweise im Chatgruppen an der Stelle.

01:07:29: Aber dahinter liegen Algorithmen und eben nicht das, dass wir normalerweise sozusagen in Beziehung auch entsprechend steuern.

01:07:37: Damit verbunden sind dann Effekte wie Looping – wir haben das gehört -, dass man damit ein Echo erzeugt im digitalen Netz, was dazu führt dass sich das System auf einen Eingruft und man damit auch eine eingeengte Perspektive bekommt die dann unter Umständen gar nicht mehr so realitätsbezogen ist.

01:07:57: Und zweites Phänomen dafür sind wir selber im versorgenen System verantwortlich.

01:08:02: Wir sind sehr stark gegangen den Weg beim DSM-Fünf beispielsweise, dass wir in diese Spektrumsbrücke freingegangen sind und damit sehr stark in das normale Spektrom der Entwicklung vorgerückt sind.

01:08:15: Das führt zusammen mit einem Concept Creep, hat das genannt,

01:08:18: d.h.,

01:08:19: was eigentlich normal ist in der Entwicklung wird unter Umständen als pathologisch angesehen weil es nicht mehr im Gesamtzusammenhang gesehen wird sondern sehr konkretistische einzelne Phänomene.

01:08:29: Und natürlich, wir haben es eben gesehen.

01:08:31: Kann jemand mit Autismus Perceptionsauffälligkeiten haben?

01:08:35: Aber das ist nicht der Kern der Störung.

01:08:36: Das ist die zentrale Korenzstörung.

01:08:39: und ohne dass sich das letztendlich einordnet an dieser Stelle gibt es ein großes Durcheinander und dann auch ein großes Fehlverständnis an der Stelle.

01:08:48: Da denke ich sind wir aufgerufen einmal als Fachleute mehr Zugang zu wirklich sauberer Diagnostik zu ermöglichen, aber wie insgesamt auch aus Gesellschaft mehr Anleitung zu geben.

01:08:58: Und ich glaube vieles was wir als Toleranz verstehen ist manchmal auch Nachlässigkeit uns ins Konflikte und auch in Reibung mit einer jüngeren Generation zu begeben die eigentlich auch einen Anspruch darauf hat dass wir das im direkten Kontakt erledigen und dann eben nicht über die digitalen Struktur.

01:09:14: Ich versuche das immer ein ganz einfachem Beispiel zu machen Und dort gab es in der Pädagogie eine sehr starke Bewegung, dass man Kinder dazu angeleitet hat sich selbst zu reflektieren.

01:09:27: Ich sage das mal übertrieben am Abend bevor wir in die Schule gegangen sind willst du morgen die grüne oder die gelbe Hose anziehen und dann hat man sich für die blaue entschieden und am nächsten Morgen ist man gefragt haben willst du wirklich die blauen Hose einziehen?

01:09:39: Oder doch die grünen Hose?

01:09:40: An dieser Stelle!

01:09:42: Heute sind wir sehr stark in der Distribution der Verantwortung und auch der Meinungsbildung, das heißt wir würden zum Hosenberater mit dem Jungen fahren.

01:09:50: Und er würde allen man sagen was die richtige Farbe ist.

01:09:54: Da machen wir uns das glaube ich häufig in der Persönlichkeitsbildung zu einfach.

01:09:58: Kinder haben Anspruch darauf im direkten sozialen Kontakt sich auch reiben zu können an Erwachsenen und auch dort den Spiegel zu haben eben nicht den digitalen Spiegl sondern den Spiegeln in der persönlichen Beziehung.

01:10:15: Vielen Dank!

01:10:18: Anregungen und Fragen zur heutigen Folge können Sie uns gerne über unsere E-Mailadresse www.pressestelle.de oder über Instagram oder Facebook zu senden!

01:10:31: Wir freuen

01:10:32: uns, wenn sie beim nächsten Mal wieder dabei sind.

01:10:35: Abonnieren Sie gerne unseren Podcast.

01:10:37: Herzliche Grüße

01:10:38: aus der Evangelischen Akademie Badboll.

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